Überwachung der Badegewässer

Überwachung | Cyanobakterien: Infos und nützliche Tipps | Badeverbot

Foto zur Einführung der Webseite Überwachung der Badegewässer
Völser Weiher (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz)

Die Überwachung der Badegewässer dient in erster Linie dem Schutz der menschlichen Gesundheit vor Gefahren, die bei schlechtem Zustand eines Badegewässers auftreten.

Das Biologische Labor der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz hat sogenannte Profile der Badeseen Südtirols ausgearbeitet, um eventuell vorhandene Risikofaktoren festzuhalten und nötige Maßnahmen durchzuführen. Diese Profile liefern Informationen zu den morphologischen, geographischen und hydrologischen Eigenschaften des umgebenden Territoriums. Sie sind nützlich, um eventuelle Verschmutzungsquellen und deren Einfluss auf die Wasserqualität zu erkennen und tragen zu einer besseren Risikoüberwachung bei.

Gibt es im umgebendem Gebiet bedeutende Veränderungen oder Verschmutzungen, die sich negativ auf die Badeseequalität auswirken könnten, muss das Profil vor Beginn der nächsten Badesaison überprüft und, falls nötig, aktualisiert werden.

0:00Wasserqualität der Südtiroler Badeseen ständig im Auge (26.07.2019)
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Die Überwachung
Beprobung (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz)

Die Überwachung

Das Biologische Labor der Umweltagentur beurteilt die Qualität der Badegewässer entsprechend eines festgelegten Überwachungsprogramms und übermittelt diese vor Beginn der Badesaison dem Gesundheitsministerium. Die Probepunkte liegen im Bereich des größten Besucherzustroms und dort, wo – gemäß Badewässer-Profil - das höchste Verschmutzungsrisiko besteht.

Wie erfolgt die Überwachung der Badeseen?
Das Überwachungsprogramm sieht alljährlich - im Zeitraum von April bis September - eine monatliche Beprobung vor, wobei zwischen zwei Beprobungsterminen nicht mehr als ein Monat verstreichen darf. Außerdem darf sich der Beprobungstermin um nicht mehr als vier Tage vom im Überwachungsprogramm festgelegten Termin verspäten.
An jedem Probepunkt werden verschiedene Umweltparameter wie Lufttemperatur, Wassertemperatur, Wind, Seezustand (ruhig/bewegt), Oberflächenströmung sowie die Wetterbedingungen erfasst und Wasserproben für die mikrobiologische Untersuchung entnommen. Die mikrobiologischen Parameter intestinale Enterokokken und Escherichia coli dienen als Indikatoren für eine fäkale Verunreinigung. Sie dürfen die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschreiten, ansonsten kommt es zu einem zeitweiligen Badeverbot im betroffenen Seeareal:

Grenzwerte für eine Wasserprobe
Intestinale EnterokokkenEscherichia coli
Binnengewässer (See) 500 n* /100 ml 1000 n* /100 ml

* = je nach verwendeter Untersuchungsmethode angegeben als KBE (Kolonie bildende Einheiten) oder als MPN (most probable number = wahrscheinlichste Anzahl)

Ist im Badesee-Profil die Tendenz zur Blaualgenblüte beschrieben, bedarf es weiterer Untersuchungen, um die Badetauglichkeit zu überprüfen, sowie geeignete Maßnahmen, um die Gesundheit der Badegäste zu schützen.

Cyanobakterien: Infos und nützliche Tipps

Lichtmikroskopische Aufnahme von Kolonien von Dolichospermum vigueri (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, 2019)
Lichtmikroskopische Aufnahme von Kolonien von Dolichospermum vigueri (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, 2019)
Lichtmikroskopische Aufnahme von einer Kolonie von Microcystis wesembergii (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, 2019)
Lichtmikroskopische Aufnahme von einer Kolonie von Microcystis wesembergii (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, 2019)

Es handelt sich um Organismen, die im Wasser leben und so klein sind, dass sie im Einzelzustand mit freien Augen nicht sichtbar sind. Sie sind einzellige Organismen ohne Zellkern, sogenannte prokaryotische Organismen. Da sie Chlorophyll-a enthalten und Photosynthese betreiben, bezeichnete man sie in der Vergangenheit fälschlicherweise als "Blaualgen" oder "Cyanophyten". Sie kommen im Plankton und im Benthos von Meeres- und Süßwasserökosystemen vor. Sie sind gegenüber extremen Temperatur-, Beleuchtungs-, Wasser- und Nährstoffbedingungen sehr tolerant und passen sich an eine Vielzahl von Bedingungen an. Viele Arten von Cyanobakterien können sehr große, mit freiem Auge sichtbare Kolonien bilden. Bei einer Blaualgenblüte bilden Cyanobakterien auffällige, schwimmende, grüne bis rote Schichten, (sogenannte Schäume). Sterben die Algenmassen ab, entstehen unangenehme Gerüche. Dabei können auch Giftstoffe (Cyanotoxine) entstehen, die sich negativ auf die Gesundheit von Menschen und Tier auswirken.

Einige Cyanobakterien können Toxine produzieren wie zum Beispiel Microcystine, Nodularine, Anatoxin, Saxitoxin und Cylindrospermopsine. Beim Absterben der Bakterien werden die gebildeten Cyanotoxine ins Wasser entlassen und können die Gesundheit von Menschen und Tieren beeinträchtigen, wie zum Beispiel Hautreizungen, Verdauungs- oder Atembeschwerden. Normalerweise verschwinden die Beschwerden wieder. Ist man jedoch sehr hohen Konzentrationen ausgesetzt, können auch systemische Effekte auftreten. Vor allem Kleinkinder aber auch Haustiere wie z.B. Hunde sind gefährdet, wenn sie größere Mengen kontaminierten Wassers verschlucken.

  1. durch Einnahme: von Freizeitwasser (Schwimmen, Surfen, Rudern usw.), Trinkwasser, Lebensmittel (Fischprodukte)
  2. durch Einatmen: von Aerosolen bei Freizeitaktivitäten oder Arbeiten im Wasser
  3. durch direkten Kontakt: bei Freizeitaktivitäten (Schwimmen, Surfen, Rudern usw.), Arbeit

Die Eutrophierung, das heißt ein Überschuss an Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor, sowie die Klimaerwärmung sind die zwei wichtigsten Faktoren, die das Wachstum von Cyanobakterien fördern. Das Vorkommen von Cyanobakterien hängt auch stark vom Wasseraustausch und der Durchmischung eines Gewässers ab.

Das biologische Labor der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz untersucht die Badeseen auf Cyanobakterien und eventuell vorhandene Toxine. Wenn die Warnstufe von 20.000 Zellen pro ml überschritten wird, wird die Überwachung erhöht und die Badetauglichkeit auf den Web "Die Badeseen in Südtirol" mitgeteilt. Das Labor teilt dem Bürgermeister die Ergebnisse der Überwachung mit und, könnte die Gesundheit von Badenden gefährdet sein, sorgt der Bürgermeister für entsprechende Information und Vorbeugungsmaßnahmen und kümmert sich um die eventuell nötige Verordnung für ein vorübergehendes Badeverbot.

Gesetzliche Grundlagen und Kriterien für die Überwachung:
- die Verordnung des Gesundheitsministeriums vom 19. April 2018 zur Änderung des Ministerialdekrets vom 30. März 2010

Istisan-Berichte Nr. 14/20 des Istituto Superiore della Sanità und nachfolgende Aktualisierungen.

1. Informieren Sie sich über die Badetauglichkeit der einzelnen Badeseen
2. Vermeiden Sie das Baden, wenn Sie Schäume beobachten. Denken Sie daran: Kleinkinder sind besonders empfindlich!
3.  Vermeiden Sie das Tränken von Haustieren.
4. Wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn bei Ihnen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautreizungen, Fieber und Atemprobleme auftreten, nachdem Sie Kontakt mit Cyanobakterien-verseuchtem Wasser hatten.


Badeverbot

Werden die gesetzlich festgelegten Grenzwerte der mikrobiologischen Parameter einer Wasserprobe überschritten, liegt eine Verunreinigung vor. Das Biologische Labor informiert daraufhin die zuständige Gemeinde und der Bürgermeister erlässt mittels Verordnung ein vorübergehendes Badeverbot für das betroffene Seeareal.

Das Badeverbot wird erst dann wieder mittels Verordnung des Bürgermeisters aufgehoben, sobald die erste nachfolgende Wasserprobe wieder in Ordnung ist, d.h. dass deren mikrobiologische Parameter innerhalb der Grenzwerte liegen

Symbol für ein Badeverbot

Alle Informationen über die Qualität eines Badegewässers sowie ein eventuelles Badeverbot werden von der zuständigen Gemeinde an einer gut zugänglichen Stelle in der Nähe der Badestellen auf Tafeln bekannt gegeben.

Die Untersuchungsergebnisse der Badeseen-Überwachung werden während der Badesaison auf den Webseiten der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz und auf dem Wasserportal des Gesundheitsministeriums laufend aktualisiert.


Qualitätsklassen der Badeseen

Die Untersuchungsergebnisse der Badeseen-Überwachung dienen nicht nur zum Schutz der menschlichen Gesundheit, sondern auch zur Ermittlung der "Qualitätsklasse" eines Badesees, so wie vom Gesetzesdekret Nr. 116 von 2008 vorgesehen.

 

Symbol für eine ausgezeichnete Qualität eines Badegewässers

Die Qualitätsklasse eines Badesees wird am Ende jeder Badesaison bestimmt. Dazu verwendet man die Untersuchungsergebnisse der Badesaison im laufenden und in den drei voran gegangenen Jahren. Ausschlaggebend für die Zuordnung zu einer Qualitätsklasse sind die Untersuchungsergebnisse der mikrobiologischen Parameter Darmenterokokken und Escherichia coli. Es gibt vier Qualitätsklassen: gering - genügend - gut - ausgezeichnet

Diese Einteilung basiert - gemäß dem Gesetzesdekret - auf einer statistischen Berechnung. Die ermittelte Qualitätsklasse ist bis zum Beginn der nächsten Badesaison gültig.

Die Norm sieht außerdem vor, dass ein Badesee ab der Badesaison 2015 mindestens die Qualitätsklasse „genügend“ erreichen sollte.


Alle acht Badeseen Südtirols erreichten auch im Jahre 2018 die Qualitätsklasse "ausgezeichnet".


Rechtsgrundlagen:
Die Überwachung der Badegewässer ist im gesetzesvertretenden Dekret Nr. 116 vom 30. Mai 2008, im Ministerialdekret vom 30. März 2010 und dessen Abänderung vom 19. April 2018 festgelegt. Diese Dekrete setzten die europäische Richtlinie 2006/7/EG (Badegewässerrichtlinie) um.
Weitere Gesetzgebung des Bereichs Wasser

Kontakt: Biologisches Labor