Pollenflug in alpinen Seitentälern

Pollenflug in alpinen Seitentälern
Hinteres Ahrntal (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, K. Stolzlechner, 2020)

In alpinen Seitentälern ist die Vegetationszeit bedingt durch längere Kälte- und Schneeperioden kürzer. Im Vergleich zu tieferen Lagen beginnt der Pollenflug daher im Frühjahr später und hält im Spätsommer weniger lang an. Insgesamt fallen die Pollenbelastungen daher geringer aus.

Besonders bei wichtigen allergieauslösenden Baumpollen, wie z.B. Birke und Hopfenbuche, ist der Unterschied zwischen der Pollenbelastung in den Haupttallagen und im montanen-subalpinen Umfeld besonders augenfällig. In den alpinen Seitentälern Südtirols fehlen außerdem bestimmte Pollenquellen oder sind lokal kaum vertreten, das sind z.B. Ölbaumgewächse, Edelkastanie oder gewisse Beifuß-Arten. Das gilt auch für die sehr allergieauslösende Ambrosie; ihre Pollen wurden aber in Südtirol bisher kaum nachgewiesen.
Durch Ferntransport können Pollen über größere Distanzen verbreitet werden. Solche Transportphänomene können auch in Südtirol auftreten. Spitzenbelastungen durch „fremde Pollen“ werden mitunter in höheren Lagen festgestellt, doch beschränken sich solche Ereignisse meist auf wenige Tage und sind an spezielle Wettersituationen gebunden.

Pollenquellen gibt es jedoch auch in der Höhe. Pollenallergiker sollten beachten, wo die Pflanzen vorkommen, deren Pollen ihre Beschwerden verursachen, und wann diese blühen. So steigt z. B. die im Mai-Juni blühende Grün-Erle bis über die Waldgrenze, ihre Pollenbelastung reicht somit „weit hinauf“. Schwarz- und Grauerlen hingegen sind eher in tieferen Lagen verbreitet und blühen bereits im Februar-März. Ähnlich wie bei der Birke, Hopfenbuche oder Ölbaumgewächsen ist ein Ausweichen in die Höhe im Frühjahr prinzipiell möglich.
Bei Gräserpollen-Allergiker ist Vorsicht angesagt. Ob ein Ausweichen im Gebirge gelingt, hängt vom Zeitraum ab. In höheren Lagen beginnt die Gräser-Blüte später, reicht dafür aber länger in den Sommer hinein. In den Haupttallagen erfolgt die Pollenhochsaison der Gräser im Mai-Juni, während man auf 1850 m Meereshöhe noch im Juli mit hoher Gräserpollen-Belastung rechnen muss. Der Pollenflug der Gräser wird zudem durch die landwirtschaftliche Praxis beeinflusst: bei Heuwirtschaft können die Gräser länger aufblühen, bei Silage wird öfters gemäht.

Pollenbelastung an unterschiedlichen Standorten
Pollenbelastung an unterschiedlichen Standorten in Südtirol, dargestellt anhand der Pollensummen ausgewählter Pollenquellen (Quelle: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, 2020).

Das Hochgebirgsklima mit seinen Reizfaktoren wie Temperatur, Wind, Sonneneinstrahlung und Luftdruck beeinflusst den Organismus zumeist positiv. Auch wenn die alpine Umgebung nicht pollenfrei ist, verspüren Pollenallergiker im Allgemeinen mit zunehmender Höhe eine Entlastung. Die Meereshöhe ist jedoch nur ein Einflussfaktor bei den komplexen Mechanismen, die zu allergischen Beschwerden führen. Der Urlaub im Gebirge kann Linderung bringen, muss es aber nicht.

Die vom Polleninformationsdienst Südtirol ausgearbeiteten Pollenflugkalender von Prettau/Ahrntal, Grub/Langtaufers und Sulden bieten eine Übersicht der in höheren Lagen im Allgemeinen zu erwartenden Pollenbelastung und helfen bei der Urlaubsplanung.
Letztlich obliegt es dem Pollenallergiker, sich vorab zu informieren sowie Einflüsse und Zusammenhänge besser verstehen zu lernen. Die Allergenkarenz, d.h. die Vermeidung des Kontaktes mit den allergieauslösenden Substanzen, steht an erster Stelle bei der Behandlung von Allergien. Geht die Allergenbelastung zurück, lassen sich zudem Medikamente einsparen.

Der Polleninformationsdienst Südtirol hat in mehrjährigen Studien den Pollenflug an mehreren Standorten in höheren Lagen untersucht. Nachfolgend einige Informationen und Ergebnisse:

Prettau im hinteren Ahrntal (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2018)
Prettau im hinteren Ahrntal (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2018)
Pollenfalle Prettau (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, K. Stolzlechner, 2020)
Pollenfalle Prettau (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, K. Stolzlechner, 2020)

 

Die Untersuchungen des Pollenfluges wurden in den Zeiträumen 2002 bis 2005 sowie 2019 durchgeführt. Der Pollenflug erfolgt in Prettau vorwiegend von Ende April bis Juni. Die Süßgräser stellen gut zwei Fünftel (42%) der in der Luft festgestellten Pollenmenge. Die Kieferngewächse, die die angrenzenden Wälder charakterisieren, erreichen lediglich 12% der Jahrespollensumme, gefolgt von Birke (8%), Brennnesselgewächsen (8%) und Knöterichgewächsen (7%). Insgesamt betrachtet ist die Pollenbelastung in Prettau weitaus geringer als in Südtirols Haupttälern. So erreicht die Pollensumme in Prettau etwa nur die Hälfte des Wertes in Bruneck (52%) und ein Fünftel des Wertes in Bozen (21%).

 

Pollenflug in Prettau (Quelle: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, 2020)

Sulden (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2009)
Sulden (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2009)
Pollenfalle Sulden (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2009)
Pollenfalle Sulden (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2009)

 

Die Untersuchungen des Pollenfluges wurden im Zeitraum 2007 bis 2010 durchgeführt. In Sulden erfolgt der Pollenflug vorwiegend von April bis Juli. Die allergologisch unbedeutenden Kieferngewächse stellen fast ein Drittel (29%), die Süßgräser etwa ein Fünftel (22%) der Jahrespollensumme in Sulden. Danach folgen Brennnesselgewächse (13%), Birke (6%) und Erle (5%). Vergleicht man den Pollenflug mit jenem in den Haupttäler Südtirols, fällt ist die Pollenbelastung in Sulden weitaus geringer aus. Die Pollensumme erreicht in Sulden knapp gut ein Drittel des in Schlanders (36%) sowie ein Fünftel des in Bozen (22%) festgestellten Wertes.

 

Pollenflug in Sulden (Quelle: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, 2020)

Grub in Langtaufers (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2018)
Grub in Langtaufers (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2018)
Pollenfalle Grub (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, A. Felderer, 2020)
Pollenfalle Grub bei Inbetriebnahme im Spätwinter 2020 (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, A. Felderer, 2020)

 

Die Untersuchungen des Pollenfluges wurden in den Zeiträumen 2000-2001 sowie 2019 durchgeführt.
Der Pollenflug erfolgt in Grub vorwiegend von Mitte-Ende April bis Juli. Kieferngewächse und Süßgräser stellen je Drittel der Jahrespollensumme, gefolgt von Brennnesselgewächsen (8%), Hopfenbuche (4%) und Birke (3%). Ähnlich den Beobachtungen in Sulden und Prettau fällt der Pollenflug in Langtaufers verglichen mit der Situation in der Talsohle der Haupttäler Südtirols wesentlich geringer aus. Die Pollensumme in Grub erreicht in etwa ein Drittel des in Schlanders (36%) sowie ein Fünftel des in Bozen (22%) festgestellten Wertes.

 

Pollenflug in Grub/Langtaufers (Quelle: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, E. Bucher, 2020)


Langtaufers - Panorama
Langtaufers (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, A. Felderer, 2020)

Kontakt: Biologisches Labor