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Wasserknappheit erfordert gemeinsame Maßnahmen

Fakten zur Trockenheit im Einzugsgebiet der Etsch sowie Maßnahmen, um der Wasserknappheit zu begegnen, haben LH Kompatscher, LR Vettorato und Umweltagenturdirektor Ruffini heute in Bozen präsentiert.

"Nicht die Abflüsse sind derzeit kritisch, sondern die allgemeine Lage mit wenigen Niederschlägen, hohen Temperaturen, wenig Schmelzwasser und weniger vollen Speicherseen", so der Tenor der Pressekonferenz zum Thema Wasserknappheit heute (1. Juli) im Landhaus 1 in Bozen mit Landeshauptmann Arno Kompatscher, Energie- und Umweltlandesrat Giuliano Vettorato und Flavio Ruffini, Direktor der Landesagentur für Umwelt- und Klimaschutz.

"Im Rahmen der Möglichkeiten müssen wir Maßnahmen setzen, im Wissen, dass das Problem der Wasserknappheit langfristig bestehen bleiben wird", betonte Landeshauptmann Kompatscher. "Im Geiste der Solidarität mit den Nachbargebieten sind gemeinsame, grenzübergreifende Lösungen anzustreben." Südtirol werde weiterhin den Umstieg auf sparsame Bewässerung und nötige Speicher gezielt fördern sowie für den nachhaltigen Umgang mit dem knappen Gut Wasser sensibilisieren. Gleichzeitig sollten laut Kompatscher auch die benachbarten Regionen alles unternehmen, um ihren Wasserbedarf zu decken.

"Speicherbecken werden bei der Bekämpfung der Wasserknappheit eine große Rolle spielen", sagte Landesrat Vettorato und verwies darauf, dass das Land bereits in solche investiert habe. Der Landesrat rief alle Menschen in Südtirol dazu auf, auch selbst einen Beitrag zu leisten und im Alltag Wasser zu sparen. In Südtirol gebe es in puncto Wasser Voralarm, während es in anderen Gebieten schon einen Notstand gibt, sagte Vettorato.

Die Daten sprechen eine deutliche Sprache:

In Südtirol entspricht die Niederschlagsmenge der vergangenen Monate im nordöstlichen Landesteil mehr oder weniger der Norm, der westliche Landesteil weist hingegen Defizite auf. In den Abflüssen aus den westlichen Landesteilen fehlen rund 30 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel.

Die Monate Jänner, März, Mai und Juni waren im nordöstlichen Teil Italiens überdurchschnittlich trocken. Auch die durchschnittlichen Temperaturen lagen im Nordosten in den Monaten Jänner, Februar und Mai weit über dem üblichen Durchschnitt.

Auf den Gletscherflächen ist dieses Jahr die Schneereserve um etwa 40 Prozent geringer als im langjährigen Mittel. Durch die geringe Schneelage fehlt der Schmelzwasserbeitrag schon seit der ersten Junihälfte. Zur Versorgung der Abflüsse tragen damit laut Umweltagenturdirektor Ruffini nur mehr die Gletscher bei. Dies sei im Hinblick auf die derzeitige Trockenheit sicherlich eine Linderung. Doch, dass dies so früh im Jahr erfolge und die Gletscher praktisch schon nackt vom Schnee seien, sei "mit Blick auf eine langfristige Perspektive besorgniserregend".

Speicherseen bilden eine wichtige Reserve fürs Trinkwasser und zur Beregnung im Einzugsgebiet der Etsch, sagt Ruffini. Wenige Niederschläge und hohe Temperaturen haben aber auch Auswirkungen auf die großen Wasserspeicher: Die Speicherseen in der westlichen Landeshälfte (insbesondere Reschen und Schnals) weisen derzeit laut Ruffini Füllstände auf, die deutlich unter dem langjährigen Mittel liegen. Am Reschensee hat man aufgrund der Probleme im Druckstollen zudem einige Zeit verloren. Die Füllung des Reschensees liegt aktuell bei rund 38 Prozent (72,6 Millionen Kubikmeter) der Gesamtkapazität.

Ruffini verweist darauf, dass das Stauseenmanagement eine große Herausforderung ist: Bei der Leerung gibt es weniger Stromproduktion, die Netzstabilität muss im Laufe des Jahres garantiert werden. Es sei wichtig, sich für die kommenden Wochen Reserven zu halten, sagte Ruffini. Dies alles stellt das Abflussmanagement im Einzugsgebiet der Etsch – das einzige, das im Norden Italiens noch nicht das Notstandslevel "hoch" ausgerufen hat – vor große Herausforderungen: "Am Messpegel in Boara Pisani im Mündungsbereich der Etsch in die Adria muss eine Abflussmenge von mindestens 80 Kubikmeter pro Sekunde garantiert sein, damit es nicht zum Rückfluss des Meerwassers in den Flusslauf und damit zur Versalzung des Bodens und der Trinkwasservorkommen kommt", erklärte Ruffini. Zahlreiche Gemeinden im Mündungsbereich leben dort nämlich vom Trinkwasser, das aus Brunnen im Einflussbereich der Etsch gewonnen wird.

"Die Abflusswelle benötigt von Trient nach Boara Pisani rund ein bis zwei Tage: Wenn am Wochenende in den Kraftwerken in Südtirol und im Trentino kaum Strom produziert wird, kommt es zu Wochenbeginn in Boara Pisani zu einem tiefen Pegelstand", sagte Ruffini. Um diesen Abflusseinbruch abzuschwächen, haben sich das Land Südtirol und das Trentino darauf geeinigt, die Produktionsprogramme der großen Kraftwerke abzuändern. So liefen am vergangenen Wochenende die Turbinen der Kraftwerke Lappach/Bruneck (Alperia Greenpower), St. Florian/Neumarkt (SF Energy) und Santa Giustina (Dolomiti Energia), um zusätzliche Abflussmengen zu garantieren. "Mit dieser Maßnahme kommen wir einer Forderung des Veneto entgegen und zeigen uns solidarisch mit den Gemeinden im unteren Teil des Flusslaufs der Etsch", sagte Landeshauptmann Kompatscher.


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mpi/san