Internationaler Tag der Fischwanderung

Internationaler Tag der Fischwanderung
Quelle: Video von Luis Gamper - Fischereiverein Meran (www.fischereiverein-meran.it)

Fast alle Fische in Südtirols Fließgewässern sind auch Wanderfische. Sie benötigen intakte, durchgängige Gewässer als Lebensräume. Drei Landesdienste sorgen dafür. Wie die positiven Entwicklungen der Fischbestände zeigen, hat sich der Lebensraum in Südtirols Fließgewässern in den letzten Jahren verbessert. Wesentlicher Faktor dafür ist eine ungehinderte Fischwanderung, die für viele Arten überlebenswichtig ist. Um diese zu gewährleisten, setzt das Land Südtirol zusammen mit den Gemeinden und den Betreibern von E-Werken verschiedene Maßnahmen zur Durchgängigkeit der Fließgewässer. Landesagentur für Umwelt, Agentur für Bevölkerungsschutz und Landesamt für Jagd und Fischerei arbeiten zusammen, um intakte und gesunde Fließgewässer zu erhalten, die es Fischen erlauben, sich flußaufwärts zu bewegen.

Vor allem in der Fortpflanzungszeit legen Fließgewässerfische beachtliche Wanderrouten zurück, um ihre Laichgründe zu erreichen. Die Fischwanderung gleicht dabei einem Hindernislauf: Neben natürlichen Abstürzen gibt es zahlreiche Bauwerke wie Wehre, Sperren und Dämme. Diese sind für die Hochwassersicherheit von Kulturland und Siedlungen notwendig, unterbrechen aber oft die lebensnotwendigen Laichwanderungen der Fische.  Hinzu kommen Stauseen oder Fassungsbauwerke, die für die Stromproduktion oder auch Wassernutzung in die Gewässer gebaut werden. Viele Wanderfische sind deshalb in ihrem Bestand gefährdet.

Nur die besten Schwimmer, das sind in Südtirol die Forellen, können Hindernisse bis zu maximal einem Meter Höhe überwinden. Für Jungfische oder Arten, die weniger gut schwimmen – beispielsweise die Mühlkoppe -kann ein viel kleinerer Gewässersprung schon zu einem Problem werden.
Seit rund zwei Jahrzehnten werden in Südtirol diese Fakten bei Wildbachverbauungsarbeiten mitberücksichtigt und auch bereits bestehende Bauwerke fischpassierbar umgestaltet.

 

Revitalisierungsarbeiten an der Talfer vorher/nacher: Durch die Umgestaltung der Konsolidierungssperren bleibt die Sicherheit erhalten, die Fischpassierbarkeit ist nun aber gewährleistet.

Talfer vorher (Foto Agentur für Bevölkerungsschutz)
Talfer vorher (Foto Agentur für Bevölkerungsschutz)
Talfer nachher (Foto Agentur für Bevölkerungsschutz)
Talfer nachher (Foto Agentur für Bevölkerungsschutz)

Mit dem Wassernutzungsplan wird die Nutzung und der Schutz der heimischen Gewässer genau regelt. Der am 19. August 2017 in Kraft getretene Plan legt unter anderem Kriterien für die verschiedenen Nutzungsarten, Bestimmungen für die Verbauung der Wasserläufe, für das Monitoring der Wasserqualität, sowie Richtlinien für die Fischzucht und für hydrogeologische Risikozonen fest. Gemäß Wassernutzungsplan müssen die Gewässerabschnitte definiert werden in denen prioritär Maßnahmen für die Fischdurchgängkeit getroffen werden müssen. E-Werke, die ein Wanderhindernis darstellen, müssen geeignete Fischtreppen einbauen, damit sie von den Fischen überwunden werden können.

Auch mit den Umweltgeldern, die in Südtirol Kraftwerksbetreiber von Großwasserableitungen sowie von kleinen und mittleren Konzessionen für Umweltmaßnahmen zu Gunsten der Ufergemeinden leisten müssen, wird in die Aufwertung der Wasserlebensräume investiert. Ein Teil von ihnen fließt in die Realisierung von Querbauwerken an Flussläufen und E-Werken, die die Fischpassierbarkeit garantieren.

Der Gewässerlebensraum wird dadurch deutlich aufgewertet, wie die positiven Entwicklungen der Fischbestände zeigen.


Internationaler Tag der Fischwanderung

Am 21. April wird auch dieses Jahr weltweit der "Tag der Fischwanderung" gefeiert. Dabei richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit von offenen und intakten Flüssen und Bächen als Lebensräume und Verbindungselemente in der Landschaft. Auch das Land Südtirol macht mit. Mit einem Video-Beitrag und einem Online-Quiz informieren Experten der Landesagentur für Umwelt, der Agentur für Bevölkerungsschutz und des Landesamtes für Jagd und Fischerei über Wasserlebensräume, Wildbachverbauung und Gewässerschutz in Südtirol.

0:00Freie Fischwanderung in Südtirols Gewässern. GNews Production (17.04.2018)
Video Gallery

Gioco

Hilf diesem sympatischen Fisch bei der Wanderung flußauf bis zur Quelle!

Fische haben während ihrer Entwicklung unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum und versuchen diesen durch Wanderungen gerecht zu werden.

  • Kompensatorische Wanderung: durch Verdriftung hervorgerufener Terrainverlust z.B. bei Hochwasserereignissen
  • Laichwanderung: Nahrungs- und Laichlebensräume liegen oft in unterschiedlichen Gewässerabschnitte
  • Nachlaichwanderung: meist flussabwärts gerichtete Rückwanderung zu den Nahrungslebensräumen
  • Populationsaustausch: Ausgleich unterschiedlicher Besiedelungsdichten
  • Nahrungswanderung: Erschließung neuer Nahrungsgründe

abiotische Faktoren:

  • Wassertemperatur: ab einer gewissen Wassertemperatur beginnen die Fische zu ihren Laichplätzen zu wandern.
  • Abflussveränderungen beeinflussen die Wanderung wesentlich, hängt jedoch stark von der Art ab.
  • geringer Sauerstoffgehalt, schlechte Wasserqualität oder erhöhter Räuberdruck  können eine Abwanderung auslösen.
  • Licht und Trübung: Wanderungen treten meist nachts auf. Trübheitsbeeinflussung ist stark artsabhängig.

biotische Faktoren:

  • Fortpflanzungsbereitschaft
  • Nahrungsbedürfnis
  • Genetische Determination

Eine Fischtreppe oder ein Fischpass ist eine bauliche Einrichtung an Fließgewässern, die dem vorhandenen Fischbestand und anderen aquatischen Lebewesen die Überwindung eines Hindernisses, wie z.B. die Wasserfassung eines Kraftwerkes, ermöglicht. In erster Linie ermöglichen sie die flussaufwärts gerichtete Wanderung.
Für die Aufrechterhaltung der ökologischen Funktionsfähigkeit und das Erreichen des von der geltenden Gesetzgebung geforderten „guten ökologischen Zustandes“ sind solche Wanderhilfen von entscheidender Bedeutung.

Rintracciabilità del passaggio (Foto: Agenzia provinciale per l'ambiente)
Auffindbarkeit (Foto: Landesagentur für Umwelt)
- Die Hauptströmung (1) soll die Fische zur FWH leiten.Der Einstieg der FWH soll möglichst nahe des Hindernisses positioniert sein.
- Der optimale Mündungswinkel des Eingangs zur FWH ist nur um wenige Grad zur Hauptstromrichtung versetzt.
- Eine angemessene Lockströmung (2) ist erforderlich, um die Fische in den Aufstieg zu locken.
Transitabilitá del passaggio (Foto: Agenzia provinciale per l'ambiente)
Passierbarkeit (Foto: Landesagentur für Umwelt)
- Eine geringe Absturzhöhe, sowie eine niedrige Fließgeschwindigkeit in den Becken der Wanderhilfe soll auch juvenilen Fischen den Aufstieg ermöglichen.
- Bei der Beckendimensionierung (mini-male Wassertiefe, Länge und Breite) sind die vorherrschenden Fischarten aus-schlaggebend und ist nach ihnen anzupassen.
- Eine hohe Sohlenrauhigkeit erlaubt auch leistungsschwachen, boden-orientierten Arten den Aufstieg.

Naturnahe Bauweisen

Technische Bauweisen

Bildergalerie

Kontakte:

Amt für Gewässerschutz

Amt für Jagd und Fischerei

Agentur für Bevölkerungsschutz