Die Tigermücke als potentieller Krankheitsüberträger

Die Tigermücke wird meist wegen ihres aggressiven und ausdauernden Stechverhaltens untertags und den dadurch verursachten Hautreaktionen zum gesundheitlichen Problem (Schwellungen, juckende, auch schmerzhafte Hautirritationen). Insbesondere bei hoher Tigermückendichte kommt es zu starker Belästigung.

Weniger bekannt ist, dass sich die Tigermücke beim Blutsaugen mit krankheitserregenden, teilweise gefährlichen Viren und Filarien (Fadenwürmer) infizieren und diese dann auf weitere Wirte übertragen kann. In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet in Südostasien zählt sie sogar zu den wichtigsten Krankheitsüberträgern. Laborstudien haben gezeigt, dass die Tigermücke in der Lage ist, über zwanzig verschiedene Arboviren zu übertragen (arthropod borne virus = Virus, das durch Gliederfüßer übertragen wird). Einige Viren-Arten kann die Tigermücke sogar über ihre abgelegten Eier an die nachfolgende Mückengeneration weitergeben.

Die Tigermücke nützt alle möglichen Wasseransammlungen für ihre Eiablage, sie ist daher häufig in der Nähe menschlicher Siedlungen anzutreffen. Außerdem weist sie ein breites Wirtsspektrum auf. Obwohl sie den Menschen bevorzugt, saugt sie auch Blut von Säugetieren (Haustiere), Vögeln, Reptilien und Amphibien.

Reisende können sich in fernen Ländern mit einem Arbovirus infizieren und bei ihrer Rückkehr in ihrem Blut einschleppen. Ist der potentielle Krankheitsüberträger „Tigermücke“ im Heimatland präsent, kann das Virus auf weitere Personen übertragen werden und im schlimmsten Fall eine Epidemie auslösen. Das im Frühjahr sehr geringe Risiko einer Krankheitsübertragung steigt im Laufe des Sommers mit der zunehmenden Anzahl an erwachsenen Tigermücken.

In Europa nahmen im letzten Jahrzehnt einige weltweit verbreitete Viruserkrankungen zu. Besonderes Augenmerk gilt jenen, in tropischen Ländern heimischen Infektionskrankheiten, die von der Tigermücke übertragen werden können: Dengue-, Chikungunya-, West-Nil- und Zika-Fieber. Meist handelt es sich um importierte Erkrankungen (nach Rückkehr von einer Tropenreise), es wurden jedoch bereits einzelne autochthone Fälle (Erkrankungen ohne vorangegangene Fernreise) registriert. Es gibt keine Impfung gegen diese Krankheiten, weshalb das Vermeiden von Mückenstichen bei Fernreisen den einzigen Schutz bietet.

Der erste Fall einer Chikungunya-Epidemie auf dem europäischen Kontinent ereignete sich im Sommer 2007 in der Emilia Romagna. Wegen des massiven Vorkommens der Tigermücke breitete sich das von einem aus Indien zurückkehrenden Reisenden importierte Chikungunya-Virus rasch aus (über 200 gemeldete Erkrankungen). Durch gezielte Maßnahmen (radikale Abtötung der erwachsenen Mücken im unmittelbaren Umkreis der Krankheitsfälle) und begünstigt durch die im Herbst sinkenden Temperaturen konnte die Virus-Epidemie bald eingedämmt werden. Wesentlich schlimmer war die im Zeitraum 2005-2006 grassierende Chikungunya-Epidemie auf der französischen Insel La Rèunion (Indischer Ozean). Damals wurden über 250.00 Menschen infiziert, etwa ein Drittel der Inselbevölkerung! Man schätzt, dass jährlich einige Millionen Menschen weltweit am Chikungunya-Virus erkranken.

Eine Chikungunya-Erkrankung äußert sich mit hohem Fieber sowie mit Muskel- und Gliederschmerzen, außerdem umfassen die Symptome Kopfschmerzen, Hautausschläge, Magen-Darmbeschwerden und Erschöpfung. Das Wort Chikungunya stammt aus einem ostafrikanischen Dialekt (Kimakonde), es bedeutet  "der gebeugt Gehende" und beschreibt die durch Gelenk- und Muskelschmerzen verursachte, charakteristische Haltung.

Die Gesundheitsbehörden beobachten mit Sorge das zunehmende Auftreten von Dengue-Fällen in Europa. Die meisten Dengue-Infektionen werden als importierte Erkrankungen bei rückkehrenden Tropenreisenden diagnostiziert. Inzwischen wurden auch einzelne Fälle bekannt, bei denen die erkrankten Personen zuvor kein Endemiegebiet (= Gebiet, in dem die Infektionskrankheit auftritt) besucht hatten (Kroatien 2010, Südfrankreich 2013). Nach Schätzungen der WHO erkranken etwa 50 bis 100 Millionen Menschen jährlich an dieser Krankheit.

Dengue-Fieber ist durch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen charakterisiert, zusätzlich werden auch Hautausschläge beobachtet. In seltenen Fällen entwickelt sich die Krankheit zum hämorrhagischen Denguefieber, das unter Umständen auch tödlich sein kann.

Das Endemiegebiet des West-Nil-Fiebers war ursprünglich auf die Länder Nordafrikas beschränkt. Inzwischen wurde das Virus weltweit in tropischen und gemäßigten Gebieten nachgewiesen. In Europa, insbesondere in den südöstlichen Ländern, nimmt Ausbreitung und Anzahl der jährlichen West-Nil-Virus-Infektionen zu. Die Krankheit wird vor allem von Stechmücken der Gattung Culex weitergegeben, aber auch die Tigermücke kommt als Überträger in Frage. Das Virus kursiert hauptsächlich in Vögeln, insbesondere Zugvögel gelten als Erregerreservoir. Es kann aber auch Menschen, Pferde und andere Säugetiere befallen. In Italien wurden 1998 in der Toscana erste Fälle von Virusinfektionen bei Pferden bekannt, und 2012 wurden im Veneto erstmals autochthone Erkrankungen (ohne vorangegangene Fernreise) beim Menschen registriert.

Obwohl menschliche Infektionen meist nur von grippeähnlichen Symptomen begleitet werden, kann die Erkrankung in seltenen Fällen zu Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) oder der Hirnhäute (Meningitis) und bei schwerem Verlauf sogar zum Tod führen. Ist das Nervensystem betroffen, können Lähmungen und in der Folge schwere, bleibende Behinderungen auftreten.

In der Veterinärmedizin ist die Tigermücke als Zwischenwirt und Überträger von Dirofilarien (Fadenwürmer) von Bedeutung. Dirofilaria immitis verursacht bei Hunden die Herzwurmerkrankung, die vor allem in Mittelmeerländern auftritt. Weniger gefährlich ist der Fadenwurm Dirofilaria repens, ein Parasit des Unterhautgewebes von Hunden (kutane Dirofilariose).

Das Zika-Virus kommt endemisch in Afrika und Südostasien vor. Seit 2015 wurden Zika-Virus-Infektionen und Schädigungen von Föten (wie z.B. Mikrozephalie) gehäuft in Südamerika beobachtet.
Obwohl die meisten Zika-Infektionen ohne Symptome verlaufen, können Hautausschlag, Fieber, Gelenkschmerzen und Bindehautentzündung auftreten; seltener werden Muskel- und Kopfschmerzen sowie Erbrechen beobachtet. Das Krankheitsbild ist meist mild, und Beschwerden klingen nach wenigen Tagen ab. Es gibt Verdachtsfälle, bei denen nach einer Zika-Infektion das Guillain-Barrè-Syndrom (neurologisches Krankheitsbild mit entzündlichen Veränderungen des peripheren Nervensystems) aufgetreten ist.


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