Die Erhebung der Tigermücke in Südtirol

In den letzten Jahrzehnten hat die Tigermücke ihr Verbreitungsgebiet nordwärts erweitert und seit 2010 wird sie auch in Bozen nachgewiesen. Beschwerden der Bevölkerung, insbesondere in den Städten Leifers, Bozen und Meran, machten auf die fortschreitende Ausbreitung der Tigermücke in Südtirol aufmerksam.

Im Sommer 2013 führte das Biologische Labor der Landesagentur für Umwelt erstmals eine Tigermücken-Erhebung durch. Die gewonnenen Erkenntnisse bestätigten das Vorkommen der Tigermücke in zahlreichen Gemeinden Südtirols und waren nützlich für die Planung weiterer Tigermückenerhebungen in den Jahren 2014-2016.

Wozu dient die Tigermücken-Erhebung?

Die Erhebung informiert über die Verbreitung der Tigermücke und die Entwicklung ihrer Population (Populationsdynamik), insbesondere deren Zunahme im Laufe des Sommers. Außerdem bietet sie eine Übersicht der am stärksten von der Tigermücke betroffenen Gemeinden. Dieses Wissen ist wichtig für die Sensibilisierung der Bevölkerung und das Ergreifen von Vorsorgemaßnahmen. Im Falle des Auftretens bestimmter tropischer Viruserkrankungen sind die Erkenntnisse sogar unerlässlich für die Planung von gezielten Maßnahmen wie zum Beispiel Insektizideinsätzen.

Untersuchungsmethode

Die Erhebung der Tigermücke erfolgt mit Eiablagefallen, die an beschatteten Standorten, vorzugsweise im öffentlichen Grün, aufgestellt und regelmäßig beprobt werden. Es handelt sich um schwarze, beschriftete und mit Wasser gefüllte Kunststoffbehälter mit einem länglichen, auf der Oberseite rauen Holzbrettchen, auf dem Tigermückenweibchen ihre Eier ablegen. Damit die Eiablagefallen nicht selbst zur Brutstätte werden, wird dem Wasser ein Larvizid (Entwicklungshemmer) zugesetzt.

Nach der Beprobung werden die auf den Holzstäbchen abgelegten, winzig kleinen Eier am Stereomikroskop ausgezählt. Die Anzahl an abgelegten Eiern gibt indirekt Auskunft über die Tigermücken-Belastung an den verschiedenen Probenstellen.

Probenstellen der Tigermückenerhebung 2016 (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2016)
Probenstellen der Tigermückenerhebung 2016 (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2016)

Die Untersuchungen konzentrieren sich auf den urbanen Raum in den Haupttälern, wo Umfeld und klimatische Bedingungen die Entwicklung der Tigermücke begünstigen. Die meisten Eiabagefallen wurden daher im Gebiet Unterland-Etschtal positioniert mit vermehrter Probenstellen-Anzahl in den Städten Leifers, Bozen und Meran.

2013 wurden von Ende Juli bis Oktober erstmals 143 Eiablage-Fallen in 19 Gemeinden aufgestellt und wöchentlich beprobt. Seit 2014 erfolgte das Tigermücken-Monitoring im Zeitraum von Mai bis Oktober mit einer Beprobung alle zwei Wochen. 2014 wurden 135 Probenstellen in 22 Gemeinden betreut, 2015 waren es 136 Probenstellen in 25 Gemeinden und 2016 138 Probenstellen in 27 Gemeinden. Über die Jahre wurden dieselben Probenstellen soweit wie möglich beibehalten, manchmal war jedoch eine Standortverlegung der Eiablagefallen unvermeidbar wie z.B. bei Baustellen, Änderungen im öffentlichen Grün oder wiederholter Entfernung von aufgestellten Fallen.

Vergleich der durchschnittlichen Eianzahl an allen Probenstellen in den Jahren 2013-2014-2015 (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2015)
Vergleich der durchschnittlichen Eianzahl an allen Probenstellen in den letzten vier Jahren der Tigermückenerhebung (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2016)

Die durchschnittliche Anzahl abgelegter Eier im Zeitraum Frühling bis Herbst stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an (siehe Abbildung). Gleichzeitig nahm auch die Anzahl an positiven Proben (=Proben mit Tigermückeneiern) zu. Die Tigermücke hat sich mittlerweile in der Haupttallage von Salurn bis Meran eingebürgert. Die Untersuchungsergebnisse aus dem unteren Eisacktal deuten außerdem auf eine allmähliche, wenngleich langsame Ausdehnung des Verbreitungsgebietes in Richtung Norden hin. Auch im unteren Vinschgau wurden bereits erste Tigermückeneier nachgewiesen (2015, im Rahmen eines Schulprojektes).

Monitoraggio della zanzara tigre 2016
Vergleich der Populationsdynamik der Tigermücke 2013-2016, dargestellt anhand der durchschnittlichen Eianzahl im Zeitraum Mai-Oktober (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2016)

Tigermückenerhebung 2016: Im Vergleich zu den Untersuchungen der vergangenen Jahre  ist die mittlere Anzahl an ausgezählten Eiern erneut angestiegen. Bis etwa Mitte August 2016 zeigte die Tigermückenpopulation einen ähnlichen Zuwachs wie im Vorjahr, ab Ende August  2016 (siehe Abbildung, ab Wochen 35-36) nahmen die Eiablageraten weiter zu, sodass die Tigermücke, insbesondere in den urbanen Zentren, bis Anfang Oktober als Belastung wahrgenommen wurde. Erst das Einsetzen kühlerer Temperaturen und die Verkürzung der Tageslänge brachten gegen Ende des Monats Erleichterung.
August und September gelten als Monate der höchsten Tigermückenbelastung; Spitzenbelastungen wurden insbesondere Ende August/Anfang September festgestellt.

Kontakt: Biologisches Labor