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Bletterbach: Barrierefreier Tourismus im Welterbe

Natur erleben im Dolomiten UNESCO Welterbe – und das barrierefrei: Wie das möglich ist, wurde heute (27. Mai) in Bozen am Beispiel GEOPARC Bletterbach aufgezeigt.

Stellten innovative barrierefreie Naturerlebnisse vor (v.l.): Fabiana Polli (Stiftung Dolomiten UNESCO), LRin Hochgruber Kuenzer, Enzo Dellantonio und Günther Ennemoser (independent L.), Christian Weber und Peter Daldos (GEOPARC Bletterbach).

Im GEOPARC Bletterbach in Aldein haben die Sozialgenossenschaft independent L. und die Stiftung Dolomiten UNESCO ein Pilotprojekt umgesetzt, das allen Besuchern – unabhängig von umweltbedingten, körperlichen oder sprachlichen Barrieren – ein inklusives Naturerlebnis ermöglicht. Das Pilotprojekt ist Teil des grenzübergreifenden Kooperationsprojekts GATE (Granting Accessibile Tourism for Everyone) mit dem Ziel, einer wachsenden Zahl von Menschen intensive Reiseerlebnisse zu ermöglichen. Zum Einsatz kommt dafür eine Reihe von innovativen Technologien. "Diese fungieren als Türöffner und unterstützen eine neue Art der Entdeckungsreise", unterstrich heute (27. Mai) die für das UNESCO Welterbe Dolomiten in Südtirol zuständige Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer bei der Projektpräsentation im Naturmuseum Südtirol. "Das Pilotprojekt im GEOPARC Bletterbach zeigt uns, dass ein inklusives Naturerlebnis möglich ist. Dies ist umso wichtiger in einem Weltnaturerbe wie den Dolomiten, das nicht nur allen gehört, sondern für alle da sein soll", hob die Landesrätin hervor, die hofft, dass auch andere Regionen diesem Beispiel folgen werden.

Enzo Dellantonio, Präsident der Sozialgenossenschaft Independent L. sprach in seiner Einführung von einer "nicht aufhaltbaren Revolution": "Digitale Technologien sind per Definition zugänglich für alle, es sei denn, dass aus mangelnden Kompetenzen oder Leichtfertigkeit (digitale) Barrieren eingebaut werden." Es gelte, die positiven Aspekte dieses Wandels zu nutzen, um eine höhere Lebensqualität und mehr Inklusion für alle zu gewährleisten. Das Projekt sei erst der Anfang einer Entwicklung, die auf ganz Südtirol ausgedehnt werden könne.

Bletterbach barrierefrei und bei jedem Wetter erleben

Die Südtiroler Pilotstätte - die Bletterbachschlucht in Aldein - ist eines der neun Teilgebiete des Dolomiten UNESCO Welterbes und präsentiert sich wie ein geöffnetes Buch, in dem mehr als 40 Millionen Jahre der Erdgeschichte nachgelesen werden können. "Für uns als GEOPARC Bletterbach war dieses Projekt eine gute Gelegenheit, uns – auch in Hinblick auf die geplante Erweiterung unseres Besucherzentrums - mit dem Thema Barrierefreiheit auseinanderzusetzen. Werkzeuge zu finden, um die Besonderheiten unseres Dolomiten UNESCO Welterbes auch jenen Menschen zugänglich zu machen, die nicht in die Schlucht wandern können, ist uns seit jeher ein Anliegen", erklärte der Direktor des GEOPARC Bletterbach Christian Weber. "Dies betrifft bei weitem nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Familien mit kleinen Kindern, Senioren oder aber all jene, die aufgrund von Schlechtwetter aus Sicherheitsgründen nicht in den Bletterbach hinuntersteigen können."

Vier Online-Instrumente realisiert

Dank assistierender Technologien wird die Bletterbachschlucht barrierefrei erlebbar. Wie diese im Detail funktionieren, führte Projektleiter Günther Ennemoser von Independent L. vor. "Es ist uns gelungen, barrierefreie Online-Instrumente für alle zu entwickeln und vier konkrete Umsetzungsbeispiele für die Südtiroler Pilotstätte GEOPARC Bletterbach zu realisieren."

Da ist zum einen eine Webapp für multimediale Inhalte, die mit jedem Smartphone funktioniert. Für den GEOPARC Bletterbach wurde der "GEOPARC Guide" entwickelt, der vertiefende Informationen für alle Altersgruppen in drei Sprachen und in italienischer Gebärdensprache liefert und mit acht digitalen Infopoints entlang des Themenwegs vom Jochgrimm zur Gurndinalm führt.

Das zweite Tool, das entwickelt wurde ist, ein digitales Dialogsystem (Chatbot) für multimediale Inhalte. Das Südtiroler Beispiel mit dem Namen "Bletterbot" wurde in die Facebook Seite des GEOPARC Bletterbach eingebaut und bietet neben allgemeinen Informationen zum Besucherzentrum auch ein didaktisches Spiel mit veränderbarem Spielverlauf. Die barrierefreien Inhalte sind in Deutsch, Italienisch und Englisch abrufbar.

Neu ist auch das IT-Tool GATE, das sich einfach in jede Homepage (WordPress) einbauen lässt, um Kunden auf einer digitalen Landkarte über so genannte "Points of Interest" (POI) – also etwa barrierefreie Dienstleistungen in der Umgebung - zu informieren. Das innovative Mapping-Plugin wurde von independent L. auf Basis des offiziellen Portals für barrierefreien Tourismus "Südtirol für alle" entwickelt und kann über die E-Mail-Adresse info@suedtirolfueralle.it kostenlos angefragt werden.

Nicht zuletzt wurde mit "Zurück zum Bletterbach" eine Besuchererfahrung mit virtueller Realität realisiert: Im GEOMuseum Radein können die Besucher mit einer speziellen 3D-Brille barrierefrei und realitätsnah in das Naturerlebnis Bletterbachschlucht eintauchen. Die didaktischen hochauflösenden 3D Videos sind in Deutsch, Italienisch und Englisch erstellt worden.

Was ist GATE?

GATE steht für "Granting Accessible Tourism for Everyone" und ist ein grenzüberschreitendes Kooperationsprojekt Interreg Italien-Österreich für einen immer inklusiveren Tourismus in den Welterbegebieten im Alpen- und Voralpenraum. Partner des Projekts unter der Leitung der Stiftung Dolomiten UNESCO sind independent L., die Gemeinde Santorso, der CAI Alpago, die Universität Innsbruck und Salzburg Research.

"Pilotprojekte laufen neben dem GEOPARC Bletterbach in Südtirol auch im Parco Rossi (Santorso), in Alpago ("Sentiero della sensibilità") und im Pongau ("Kinderleicht wandern")", führte Fabiana Polli, Projektkoordinatorin der Stiftung Dolomiten UNESCO, aus. Das Gesamtbudget für GATE mit Projektdauer von 2018 bis Ende 2020 beläuft sich auf rund eine Million Euro. Finanziert wird GATE über Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und Interreg V-A Italia-Österreich 2014-2020. Weitere Infos, unter anderem auch die Projekt-Richtlinien, finden sich auf der Projektseite.

mpi

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