Dicke Luft im Klassenzimmer | Aktion
Hintergrundinfo
Einen Großteil unserer Lebenszeit verbringen wir in geschlossenen Räumen. Kohlenstoffdioxid (CO2), das als Stoffwechselprodukt des Menschen ausgeatmet wird, dient als guter Indikator für verbrauchte Luft und somit für die Raumluftqualität. Je höher die CO2-Konzentration in der Luft, desto schlechter die Luftqualität. Besonders in geschlossenen Räumen mit vielen Personen, wie in Klassenräumen, können bereits nach 20 bis 25 Minuten CO2-Konzentrationen erreicht werden, die viermal so hoch sind wie die im Freien. In diesen Konzentrationen ist CO2 zwar kein „klassischer“ Schadstoff, aber es beeinflusst dennoch unser Wohlbefinden. Es können Beschwerden wie Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen auftreten.1
Auch Emissionen von Einrichtungsgegenständen, Baustoffen oder Reinigungsmitteln (z.B. Formaldehyd, Lösemittel, Weichmacher) können die Innenraumluft stark beeinträchtigen. Mit der ausgeatmeten Luft werden außerdem Aerosole über die Raumluft verbreitet, die potenziell mit Krankheitserregern belastet sein können. Ein Anstieg luftgetragener Keime kann die Ansteckungsgefahr wesentlich erhöhen.2
Messgeräte
CO2-Ampeln messen die CO2-Konzentration in der Innenraumluft und geben mit den Ampelfarben Auskunft über die aktuelle Luftqualität. Laut einer Publikation in der Zeitschrift Gefahrstoffe - 81 (2021) Update der App „CO2-Timer“ mit neuer Infektionsschutzversion, wird empfohlen einen höheren Zielwert von 1.000 ppm für den Infektionsschutz zu verwenden, um einen Mittelwert von 800 ppm über die Dauer einer Unterrichtsstunde einzuhalten. Für eine Einhaltung einer CO2-Konzentration von 1000 ppm als Mittelwert über die gesamte Unterrichtszeit wird hingegen ein höherer Zielwert von 1.400 ppm für die hygienische Unbedenklichkeit empfohlen.3 Mit anderen Worten: Wenn erst bei Erreichen von 1.000 ppm (oder 1.400 ppm) gelüftet wird, bleibt der Durchschnittswert der gesamten Einheit bei den geforderten 800 ppm (oder 1.000 ppm).
Die Ampeln der Landesagentur sind auf folgende CO2-Messintervalle eingestellt:
- grün bis 1.000 ppm
- gelb von 1.000 ppm bis 1.400 ppm
- rot ab 1.400 ppm
Lüftungshinweise
Die Lüftungshinweise gelten für Schulen, die ihre Klassenzimmer durch das Öffnen von Fenstern und Türen lüften, und nicht für Klassenzimmer, die mit einer mechanischen Raumlüftungsanlage ausgestattet sind. Es liegt im Ermessen der Schulen, je nach Situation (z.B. Jahreszeit oder aktuelles Infektionsgeschehen wie eine Grippewelle) zu lüften, sobald die CO2-Konzentration einen Wert von 1.000 ppm oder 1.400 ppm erreicht.
Ziel
Die Schülerinnen und Schüler erfahren, was schlechte Luftqualität ist, welche Rolle CO2 in Innenräumen spielt, warum ein regelmäßiger Luftaustausch in Klassenzimmern wichtig ist und wie richtiges Lüften funktioniert.
Zielgruppe
Alle Schul- und Vorschulstufen
Voraussetzungen
Keine
Sprache
Deutsch, Italienisch
Anmeldung
Siehe Abschnitt Verleihbedingungen und wichtige Hinweise
Download
Allgemeine Informationen
Schulen können im Rahmen von schulbezogenen Projekten kostenlos CO2-Messgeräte beim Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz ausleihen. Dafür ist ein Formular auszufüllen (im Downloadbereich) und an richard.oberkalmsteiner@provinz.bz.it zu übermitteln. Die Mindestanzahl der ausleihbaren Geräte beträgt 5 pro Schule. Der Antrag auf Verleih kann bis zum 15. September jedes Schuljahres eingereicht werden und muss jährlich neu gestellt werden. Es wird keine Warteliste geführt.
Leihfrist
Die Geräte können von Oktober bis Dezember und Januar bis April ausgeliehen werden und müssen in diesem Zeitraum in der Schule bleiben.
Verteilung der Geräte
Die Geräte werden vom Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz zu den Schulen gebracht und wieder abgeholt. Auf Anfrage erhält die ausleihende Person bei der Übergabe auch eine kurze Einführung in die Bedienung der Geräte (Dauer ca. eine halbe Stunde).
Hinweise
Mit dem Erhalt der Messgeräte übernimmt die ausleihende Person bzw. Organisation die volle Haftung für Beschädigung und Verlust in Höhe der Wiederherstellungs- bzw. Wiederbeschaffungskosten. Es wird ersucht, möglichst sorgsam mit den Geräten umzugehen und festgestellte Mängel unverzüglich an richard.oberkalmsteiner@provinz.bz.it oder Tel. +39 0471 41 71 68 zu melden.
Beispiel für den Verlauf der CO2-Konzentration in einer Klasse mit intensiver Fensterlüftung bei Überschreiten von 1400 ppm CO2 (Quelle: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz)
Infografik (Quelle: Umweltbundesamt)
Weitere Empfehlungen zu Luftaustausch und effizientem Lüften in Schulen finden Sie auf der Seite des Umweltbundesamtes.
CO2-App (Rechner und Timer)
Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) hat eine App zur Verfügung gestellt, die es ermöglicht, den richtigen Zeitpunkt für die Fenster- und Türenlüftung des Klassenzimmers zu berechnen. Die App kann über den Google Play Store (für Android-Geräte) oder über den App Store (für iOS) heruntergeladen werden.
Die App ist nicht anwendbar für Klassenzimmer mit kontrollierter, mechanischer Raumlüftungsanlage.
Die App liefert eine ganze Reihe von Informationen zum richtigen Lüften in geschlossenen Räumen. Sie unterscheidet zwischen einem infektionsschutzgerechten Lüften und einem Lüften des Klassenzimmers, um eine gute Luftqualität zu erreichen.
Unter "CO2-Rechner & Timer" gelangt man durch links oder rechts Wischen zu "Unterrichtsräumen in Schulen" und wählt, ob die Berechnung für eine Primar- oder Sekundarstufe* erfolgen soll. Anschließend sind folgende Angaben einzugeben: Personenanzahl im Raum (n), Aufenthaltsdauer (min) - hier wird empfohlen, die maximale Zeit von 120 Minuten einzugeben -, Raumgrundfläche (m²) und Raumhöhe (m). Durch Tippen auf "Berechnen" startet die Berechnung der CO2-Konzentration und der richtige Lüftungszeitpunkt wird ermittelt.
Durch Berühren der Punkte im Graphen kann ein Timer (durch die Funktion "Zum Timer") entweder für den Lüftungszeitpunkt der Lüftungsvariante "Lüftung für Infektionsschutz" (entspricht 1000 ppm als Momentanwert) oder für die Lüftungsvariante "gute Luftqualität" (entspricht 1400 ppm als Momentanwert) gesetzt werden. Der dritte Punkt im Graphen entspricht dem Zeitpunkt, ab welchem die Luftqualität in den inakzeptablen Bereich liegt, also über 2000 ppm CO2.
*In Deutschland umfasst die Primarstufe die Klassen 1 bis 4 (in einigen Bundesländern bis zur 6. Klasse) und die Sekundarstufe I die Klassen 5 bis 10
Wofür steht QAES?

Das Projekt "QAES – Luftqualität in Schulgebäuden" zielte darauf ab, neue Standards zur Verbesserung der Luftqualität in Schulen zu entwickeln. Es war Teil eines Programms zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Italien und der Schweiz und untersuchte den Einfluss der Luftqualität auf Gesundheit und Lernvermögen.
Das QAES Manifest beschreibt die wesentlichen Voraussetzungen für eine optimale Raumluftqualität in Schulgebäuden. (Quelle: Projekt QAES - Luftqualität in Schulgebäuden)
Quellen:
1Myhrvold AN, Olsen E, Lauridsen O (1996) Indoor environment in schools – pupils health and performance in regard to CO2 concentrations. Proc Indoor Air í96 4:369–374 - Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11, 2008
2Shendell DG, Prill R, Fisk WJ, et al. (2004) Associations between classroom CO2 concentrations and student attendance in Washington and Idaho. Indoor Air 14:333–341 - Bartlett KH, Kennedy SM, Brauer M, et al. (1999) Predictors of exposure to indoor CO2 and bioaerosols in elementary school classrooms. Proc Indoor Air ‚99 1:252–257 - Rudnick SN, Milton DK (2003) Risk of indoor airborne infection transmission estimated from carbon dioxide concentration. Proc Indoor Air 13:237–245 Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 11, 2008
3H. D. Neumann, I. Thullner, M. Protsch, S. Peters: Update der App „CO2-Timer“ mit neuer Infektionsschutzversion. Gefahrstoffe - Reinhalt. Luft 81 (2021) Nr. 5/6 S. 203-211