Luftverschmutzung und Dieselmotoren, Pilotprojekt in der Provinz Bozen
Mehr als 50% der Fahrzeuge auf Italiens Straßen sind mit einem Dieselmotor ausgerüstet, welcher zu einem großen Anteil für die Stickoxid-Emissionen und die Überschreitung der Grenzwerte verantwortlich ist. Die Landesagentur für Umwelt arbeitet in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen bereits seit Oktober 2016 am Projekt BrennerLEC, welches von der Europäischen Union mitfinanziert wird. Ziel: Reduzierung der NOx durch die Reduzierung der Geschwindigkeit.
Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Deutschland zum Fahrverbot von dieselbetriebenen Fahrzeugen in den deutschen Städten führt auch in Südtirol zu Diskussionen. Bereits 2015 hat die Europäische Union, wie von der Richtlinie Luft (Richtlinie 2008/50/CE) vorgesehen, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien (und gegen andere Staaten wie Frankreich, Deutschland und Spanien) wegen Nichteinhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte (NO2) eingeleitet. Die Luftverschmutzung durch NO2 stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit dar. Der größte Teil der Emissionen wird dabei vom Straßenverkehr verursacht.
Im Jahr 2017 hat die Europäische Kommission an alle betroffenen Mitgliedsstaaten eine letzte Mahnung geschickt und hat sie aufgefordert, für eine gute Luftqualität und für die öffentliche Gesundheit zu sorgen. In Italien wurde eine Überschreitung in 12 Zonen nachgewiesen, darunter Rom, Mailand und Turin. Im Falle einer Überschreitung sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, Luftqualitätspläne auszuarbeiten und anzuwenden. Diese müssen angemessene Maßnahmen enthalten, damit in möglichst kurzer Zeit die Grenzwerte eingehalten werden.
Hauptquelle für die NO2 Emissionen ist der Straßenverkehr mit einem Anteil von knapp 70% (die Dieselmotoren sind die Hauptverursacher); weitere relevante Quellen sind die Heizanlagen, andere mobile Quellen und Maschinen sowie Verbrennungsprozesse zur Wärmeerzeugung. In Italien werden sehr viele Dieselfahrzeuge verkauft (56% des Gesamtumsatzes zwischen Jänner und Oktober 2017 gegen einen europäischen Mittelwert von 45%). Außerdem zirkulieren in Italien im Gegensatz zu Europa die ältesten Autos und Lastkraftwagen (Durchschnittsalter fast 25 Jahre), wie erst kürzlich von Legambiente veröffentlicht.
Auch in Südtirol werden die vorgesehenen Grenzwerte für NO2 regelmäßig überschritten, vor allem entlang der A22 und in einigen Straßen im Zentrum von Bozen (z.B. Romstraße und Drususstraße) und in Meran (z.B. Rätiastraße und Romstraße).
Diese Herausforderung kann nur anhand einer Reihe von Maßnahmen und Mehrjahresprogrammen gewonnen werden. Für die Zonen entlang der Brennerautobahn könnte ein maßgeblicher Beitrag durch das Projekt BrennerLEC (LEC – Lower Emissions Corridor), mitfinanziert von der Europäischen Union, entworfen und umgesetzt von der Landesagentur für Umwelt Bozen in Zusammenarbeit mit der A22, Appa Trient, Universität Trient, IDM Südtirol/Alto Adige und CISMA GmbH, geleistet werden.
Mit dem Projekt BrennerLEC wird untersucht, wie sich eine Verringerung der Geschwindigkeitslimits entlang der Brennerautobahn auf die Luftbelastung auswirkt. Da
FVR/29.



