Pestizide

Pestizide
Ausbringung von Pestiziden im Feld (Foto: Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau)

Was sind Pestizide?

Pestizide“ ist eine Sammelbezeichnung für chemische Stoffe und Stoffkombinationen. Sie werden gegen Organismen eingesetzt, welche in einem bestimmten Bereich schädigend wirken und dort deshalb unerwünscht sind. Pestizide töten, vertreiben oder hemmen Lebewesen, deren Wachstum, Keimung oder Fortpflanzung.

Wie werden Pestizide eingeteilt?

  • Pflanzenschutzmittel: Wirkstoffe, welche in Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau eingesetzt werden

  • Biozide: Wirkstoffe, welche im nicht-landwirtschaftlichen Bereich eingesetzt werden.

  • Herbizide: gegen Unkraut

  • Fungizide: gegen Pilzbefall

  • Insektizide: gegen verschiedene Insekten

  • Molluskizide: gegen Weichtiere

  • Nematodizide: gegen Fadenwürmer

  • Akarizide: gegen Milben

  • Rodentizide: gegen Nagetiere.

  1. Herbizide:

    • Bodenherbizide werden über die Wurzeln oder durch keimende Samen aufgenommen (meist Vorsaat- und Vorauflaufmittel)

    • Blattherbizide: es wird zwischen Kontaktherbizide („Abbrenner“, wirken unmittelbar auf die benetzten Pflanzenteile) und systemische Herbizide (wirken erst nach Aufnahme durch die Pflanze) unterschieden

  2. Insektizide:

    • Fraßgifte: Organismen nehmen diese Gifte über die Nahrung auf. Diese Wirkstoffe bleiben zumeist an der Pflanzenoberfläche und gelangen kaum in die Pflanzensäfte oder das Pflanzengewebe. Deshalb werden stechend-saugende Insekten, die sich vom Pflanzensaft ernähren, vom Insektizid nicht getroffen

    • Kontaktgifte: Insekten mit durchdringlicher Haut nehmen das Gift über den Hautkontakt auf

    • Atemgifte: Insekten nehmen diese Gifte über die Atemwege auf

    • Systemische Insektizide: Diese Gifte werden im Saftstrom der Pflanzen verteilt und wirken über die ganze Pflanze. Somit sind diese Substanzen für alle beißenden, stechend-saugenden und im Gewebe lebenden Insekten tödlich

  3. Fungizide: 

    • Systemische Fungizide: Diese sind im gesamten Pflanzensaft vorhanden und für Schimmelpilze giftig

    • Fungistatika: Sie wirken hemmend auf Schimmelpilze, ohne diese jedoch zu töten

    • Beizmittel: Sie verhindern die Bildung von Schimmelsporen.


Welche Inhaltsstoffe haben Pestizide?

Es sind die aktiven Substanzen in den Pestiziden, welche die zu bekämpfenden Organismen hemmen bzw. töten. Die Wirkstoffe wirken jedoch nicht ausschließlich auf die zu bekämpfenden Zielorganismen, sondern haben zumeist auch Einfluss auf andere Elemente des Ökosystems.

Diese dienen der Konservierung und Stabilisierung des Pestizids (Lösungsmittel, Frostschutzmittel, Schaumverhüter, Farbstoffe). Auch Beistoffe beeinflussen andere Elemente des Ökosystems.

Zu diesen zählen Schutzstoffe und Synergisten. Schutzstoffe schützen die Pflanzen vor potentiell schädlichen Nebenwirkungen durch Wirk- und Beistoffe. Synergisten dagegen sorgen dafür, dass der Wirkstoff auch mit Sicherheit wirkt.


Wo werden Pestizide eingesetzt?

Pestizide werden vor allem in der Landwirtschaft verwendet. Anwendung finden sie aber auch auf öffentlichen Flächen (an Plätzen und Sportplätzen, Straßen, Wegen und Schienen etc.), im Gartenbau und in Privathaushalten (an Balkonen).

Wie gelangen Pestizide in den menschlichen Organismus?

- über verunreinigtes Trinkwasser
- über Nahrungsmittel
- über die Luft
- über Schnittblumen in den Wohnungen.
- über den Einsatz von Pestiziden in der eigenen Wohnung.

Warum sind Pestizide gefährlich?

Pestizide sind gefährlich, weil sich ihre Wirkung nie ausschließlich auf die unerwünschten Organismen beschränkt. Pestizide wirken immer direkt oder indirekt (Nahrungskette) auf alle Elemente eines Ökosystems (Pflanzen, Tiere, Gewässer usw.). Sie stellen dadurch auch eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen dar.

Wichtige staatliche Instrumente

Dieser nationale Aktionsplan (Piano d’Azione Nazionale - PAN) beabsichtigt, einen Prozess einzuleiten, durch welchen eine neue, nachhaltigere, gesundheits- und umweltverträglichere Praxis im Umgang mit Pestiziden garantiert wird. Dabei verfolgt der Plan folgende Ziele:

  • die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit von Pestiziden und das Risiko zu reduzieren

  • den integrierten Anbau, die biologische Landwirtschaft und andere alternative Ansätze zu fördern

  • die Nutzer von Pestiziden und die interessiere Bevölkerung bestmöglich zu schützen

  • den Schutz der Konsumenten zu verbessern

  • die aquatischen Lebensräume besser zu wahren und die Trinkwasserqualität zu schützen

  • die Biodiversität und die Ökosysteme zu schützen.

Um diese Ziele zu erreichen, will der Plan über möglichen Risiken beim Einsatz von Pestiziden aufklären, die Information der betroffenen Bevölkerung garantieren, ein Kontrollnetz aufbauen, potentiell gefährdete hochwertige Lebensräume besser schützen, die korrekte Entsorgung von nicht mehr verwendeten Produkten und deren Behältern sicherstellen und vieles mehr.

ISPRA (Istituto superiore per la protezione e la ricerca ambientale) erstellt, in Zusammenarbeit mit dem Nationalem System für den Schutz der Umwelt (NSSU), in periodischen Abständen den Nationalen Bericht über die Anwesenheit von Pestiziden in den Gewässern.

Der Jahresbericht des Gesundheitsministeriums gibt einen Überblick über die Ergebnisse der jährlich in Italien durchgeführten Lebensmittelkontrollen und die daraus zu ziehenden Rückschlüsse.


Rechtsgrundlagen und Links

Europäische Richtlinien und Verordnungen

  • Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Februar 2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs und zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG des Rates
  •  Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, zur Änderung und Aufhebung der Richtlinien 67/548/EWG und 1999/45/EG und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006
  • Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates vom 28. Juni 2007 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91
  • Richtlinie 2009/127/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 zur Änderung der Richtlinie 2006/42/EG betreffend Maschinen zur Ausbringung von Pestiziden
  • Richtlinie 2009/128/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 über einen Aktionsrahmen der Gemeinschaft für die nachhaltige Verwendung von Pestiziden.
  • Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln und zur Aufhebung der Richtlinien 79/117/EWG und 91/414/EWG des Rates
  • Verordnung (EG) Nr. 1185/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2009 über Statistiken zu Pestiziden
  • Verordnung (EU) Nr. 283/2013 der Kommission vom 1. März 2013 zur Festlegung der Datenanforderungen für Wirkstoffe gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln
  • Verordnung (EU) Nr. 284/2013 der Kommission vom 1. März 2013 zur Festlegung der Datenanforderungen für Pflanzenschutzmittel gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates
  • Richtlinie 2013/39/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. August 2013 zur Änderung der Richtlinien 2000/60/EG und 2008/105/EG in Bezug auf prioritäre Stoffe im Bereich der Wasserpolitik
  • Durchführungsverordnung (EU) 2015/408 der Kommission vom 11. März 2015 zur Durchführung des Artikels 80 Absatz 7 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln und zur Erstellung einer Liste mit Substitutionskandidaten.

Mitteilungen der Kommission

  • COM (2006) 372 endgültig: Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Hin zu einer thematischen Strategie zur nachhaltigen Nutzung von Pestiziden. Brüssel, 12.07.2006
  • COM (2017) 587 endgültig: Bericht der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat über die nationalen Aktionspläne der Mitgliedstaaten und die Fortschritte bei der Umsetzung der Richtlinie 2009/128/EG über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden. Brüssel, 10.10.2017.

Staatliche Bestimmungen

  • Dekret vom 23. Dezember 1992 – “Recepimento della direttiva n. 90/642/CEE relativa ai limiti massimi di residui di sostanze attive dei presidi sanitari tollerate su ed in prodotti.” (Gesetzblatt der Republik, Serie Generale, Nr. 305 vom 30. Dezember 1992)
  • Gesetzesvertretendes Dekret vom 2. Februar 2001, Nr. 31 - "Attuazione della direttiva 98/83/CE relativa alla qualità delle acque destinate al consumo umano. (Gesetzblatt der Republik, Serie Generale , Nr. 52 vom 3. März 2001)
  • Gesetzesvertretendes Dekret vom 3. April 2006, Nr. 152 - "Norme in materia ambientale" (Gesetzblatt der Republik, Serie Generale Nr. 88 vom 14. April 2006 - Suppl. Ordinario Nr. 96)
  • Gesetz vom 30. April 1962, Nr. 283 - "Modifica degli articoli 242, 243, 247, 250 e 262 del testo unico delle leggi sanitarie, approvato con regio decreto 27 luglio 1934, n. 1265: Disciplina igienica della produzione e della vendita delle sostanze alimentari e delle bevande"
  • Gesetzesvertretendes Dekret vom 22. Juni 2012, Nr. 124 zur Änderung und Integration des gesetzesvertretenden Dekretes vom 27. Januar 2010, Nr. 17 (Gesetzblatt der Republik vom 3. August  2012, Nr. 180)
  • Gesetzesvertretendes Dekret vom 14. August 2012, Nr. 150 - "Attuazione della Direttiva 2009/128/CE del Parlamento Europeo e del Consiglio"
  • Ministerialdekret vom 22.  Januar 2014 - "Adozione del Piano di azione nazionale per l’uso sostenibile dei prodotti fitosanitari, ai sensi dell’articolo 6 del decreto legislativo 14 agosto 2012, n. 150 recante: Attuazione della direttiva 2009/128/CE che istituisce un quadro per l’azione comunitaria ai fini dell’utilizzo sostenibile dei pesticidi"
  • Ministerialdekret Politiche Agricole Alimentari e Forestali vom 3. März 2015 - "Individuazione delle macchine irroratrici da sottoporre a controllo funzionale secondo intervalli diversi da quelli indicati al paragrafo A.3.2 del Piano d’Azione Nazionale per l’uso sostenibile dei prodotti fitosanitari"
  • Interministerialdekret vom 10. März 2015 - "Linee guida di indirizzo per la tutela dell'ambiente acquatico e dell'acqua potabile e per la riduzione dell'uso di prodotti fitosanitari e dei relativi rischi nei Siti Natura 2000 e nelle aree naturali protette", previste dal Piano di Azione Nazionale (Gesetzblatt der Republik Nr. 71 vom 26. März 2015 - Suppl. Ordinario Nr. 16)
  • Interministerialdekret vom 15. Juli 2015 - “Modalità di raccolta ed elaborazione dei dati per l’applicazione degli indicatori previsti dal Piano d’Azione nazionale per l’uso sostenibile dei prodotti fitosanitari"
  • Interministerialdekret vom 15. Februar 2017 - “Adozione dei criteri ambientali minimi da inserire obbligatoriamente nei capitolati tecnici delle gare d’appalto per l’esecuzione dei trattamenti fitosanitari sulle o lungo le linee ferroviarie e sulle o lungo le strade”.

 Landesgesetzgebung

  • Beschluss der Landesregierung vom 12. März 2019, Nr. 142 - Anpassung der Liste der Pflanzenschutzmittel, die in den Trinkwasserschutzgebieten angewendet werden können - Ersetzung des eigenen Beschlusses vom 27.12.2016, Nr. 1489
  • Art. 24 des Landesgesetzes vom 18. Juni 2002, Nr. 8 - Bestimmungen über die Gewässer.

 

Kontakt:
Labor für Wasseranalysen und Chromatographie
Amt für Gewässerschutz
Labor für Lebensmittelanalysen und Produktsicherheit
Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz
Biologisches Labor
Amt für nachhaltige Gewässernutzung