Die Erhebung der Tigermücke in Südtirol

In den letzten Jahrzehnten hat die Tigermücke ihr Verbreitungsgebiet nordwärts erweitert und seit 2010 wird sie auch in Bozen nachgewiesen. Beschwerden der Bevölkerung, insbesondere in den Städten Leifers, Bozen und Meran, machten auf die fortschreitende Ausbreitung der Tigermücke in Südtirol aufmerksam.

Im Sommer 2013 führte das Biologische Labor der Landesagentur für Umwelt erstmals eine Tigermücken-Erhebung durch. Die gewonnenen Erkenntnisse bestätigten das Vorkommen der Tigermücke in zahlreichen Gemeinden Südtirols und waren nützlich für die Planung weiterer Tigermückenerhebungen in den nachfolgenden Jahren..

Wozu dient die Tigermücken-Erhebung?

Die Erhebung informiert über die Verbreitung der Tigermücke und die Entwicklung ihrer Population (Populationsdynamik), insbesondere deren Zunahme im Laufe des Sommers. Außerdem bietet sie eine Übersicht der am stärksten von der Tigermücke betroffenen Gemeinden. Dieses Wissen ist wichtig für die Sensibilisierung der Bevölkerung und das Ergreifen von Vorsorgemaßnahmen. Im Falle des Auftretens bestimmter tropischer Viruserkrankungen sind die Erkenntnisse sogar unerlässlich für die Planung von gezielten Maßnahmen wie zum Beispiel Insektizideinsätzen.

Untersuchungsmethode

Die Erhebung der Tigermücke erfolgt mit Eiablagefallen, die an beschatteten Standorten, vorzugsweise im öffentlichen Grün, aufgestellt und regelmäßig beprobt werden. Es handelt sich um schwarze, beschriftete und mit Wasser gefüllte Kunststoffbehälter mit einem länglichen, auf der Oberseite rauen Holzbrettchen, auf dem Tigermückenweibchen ihre Eier ablegen. Damit die Eiablagefallen nicht selbst zur Brutstätte werden, wird dem Wasser ein Larvizid (Entwicklungshemmer) zugesetzt.

Nach der Beprobung werden die auf den Holzstäbchen abgelegten, winzig kleinen Eier am Stereomikroskop ausgezählt. Die Anzahl an abgelegten Eiern gibt indirekt Auskunft über die Tigermücken-Belastung an den verschiedenen Probenstellen.

Probenstellen der Tigermückenerhebung 2016 (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2016)
Probenstellen der Tigermückenerhebung 2017 (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2017)

Die Untersuchungen konzentrieren sich auf den urbanen Raum in den Haupttälern, wo Umfeld und klimatische Bedingungen die Entwicklung der Tigermücke begünstigen. Die meisten Eiabagefallen wurden daher im Gebiet Unterland-Etschtal positioniert mit vermehrter Probenstellen-Anzahl in den Städten Leifers, Bozen und Meran.

2013 wurden von Ende Juli bis Oktober erstmals 143 Eiablage-Fallen in 19 Gemeinden aufgestellt und wöchentlich beprobt. Seit 2014 erfolgt das Tigermücken-Monitoring im Zeitraum von Mai bis Oktober mit einer Beprobung alle zwei Wochen. Über die Jahre wurden dieselben Probenstellen soweit wie möglich beibehalten, manchmal war jedoch eine Standortverlegung der Eiablagefallen unvermeidbar wie z.B. bei Baustellen, Änderungen im öffentlichen Grün oder wiederholter Entfernung bzw. Beschädigung von aufgestellten Fallen.

Vergleich der durchschnittlichen Eianzahl an allen Probenstellen in den Jahren 2013-2014-2015 (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2015)
Zunahme der Tigermückenpopulation von 2013 bis 2017 dargestellt anhand der mittleren Anzahl Eier pro Eiablagefalle sowie der Gesamtzahl nachgewiesener Eier (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2017)

•    Im Zeitraum von Mai bis Oktober ist in den letzten fünf Jahren die durchschnittliche Anzahl abgelegter Eier pro Falle und entsprechend die Gesamtzahl nachgewiesener Eier beträchtlich angestiegen.
•    Die Besiedelung neuer Gebiete erfolgt im Allgemeinen zunächst punktförmig bzw. in kleinen Arealen, die sich dann nach und nach vergrößern. Die Zunahme positiver Proben (=Proben mit Tigermückeneiern) von Jahr zu Jahr spricht für eine immer flächendeckendere Verbreitung der Tigermücke in der Haupttallage von Salurn bis Meran während der Sommermonate. Auch im unteren Vinschgau wurden im Rahmen eines Schulprojektes 2015 erste Tigermückeneier nachgewiesen. Im unteren Eisacktal erfolgt die Ausbreitung in Richtung Norden langsamer, dies hängt vermutlich mit tieferen Temperaturbedingungen zusammen.
•    Wenngleich das Populationsmaximum üblicherweise erst im Spätsommer (Ende August-September) erreicht wird, nehmen die Eiablageraten in den letzten fünf Jahre immer früher in der Saison zu. Auch Anfang Herbst legt die Tigermücke noch eine beträchtliche Anzahl an Eiern ab; dies erklärt die Belästigung durch Insektenstiche bis Anfang Oktober, insbesondere in den urbanen Zentren. Erst mit Einsetzen kühlerer Temperaturen und der Verkürzung der Tageslänge fällt die Populationsdichte rasch ab.

Tigermückenerhebung 2017
Vergleich der Populationsdynamik der Tigermücke 2013-2017, dargestellt anhand der durchschnittlichen Eianzahl im Zeitraum Mai-Oktober (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2017)

Tigermückenerhebung 2017: Im Unterland, vor allem in Leifers und Auer, sowie in der Stadt Bozen waren die Eiablageraten 2017 besonders hoch. Ein nennenswerter Anstieg der Tigermückenbelastung wurde auch im Burgrafenamt (Meran, Lana) verzeichnet. Geringere Belastungen herrschten im Überetsch (Kaltern, Eppan) und im Eisacktal (Klausen und Brixen mitberücksichtigt).

Im Rahmen der Erhebung 2017 wurden im Zeitraum Juni bis Oktober neben Eiern der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) auch jene der heimischen Mückenart Aedes geniculatus an insgesamt 13 Probenstellen festgestellt. Mit Hilfe einer besonderen Untersuchungsmethode war es außerdem möglich, das Vorkommen der Koreanischen Tigermücke (Aedes koreicus) in Südtirol zu bestätigen. Diese neue invasive Art hat sich in verschiedenen Provinzen Norditaliens eingebürgert. Sie ist kälteresistenter und kann bis auf 1000 m siedeln.

Tigermückenerhebung 2017

Tigermückenerhebung 2017
Tigermückenerhebung 2017: nachgewiesene Eianzahl im Zeitraum Mai-Oktober (Quelle: Landesagentur für Umwelt, 2017)

Legenden

Die ausgearbeitete Karte stellt die Anzahl abgelegter Eier mit nachfolgenden Häufigkeitsklassen dar:

Legende mit den verwendeten Häufigkeitsklassen

Kontakt: Biologisches Labor