Wasch- und Desinfektionsmittel - Projekt "Hydra"

Wasch- und Desinfektionsmittel - Projekt "Hydra"
Wasch- und Desinfektionsmittel (Foto: Landesagentur für Umwelt)

Reinigungs- und Desinfektionsmittel gehören zu den Hauptverursachern von Verschmutzungen in Seen und Flüssen. Die Autonome Provinz Bozen hat 1999 das Projekt „Hydra“ mit dem Ziel gestartet, Umwelt und speziell Wasserressourcen besser zu schützen. Dafür wurde am Biologischen Labor der Landesagentur für Umwelt eine Informations- und Beratungsstelle für die öffentliche Verwaltung eingerichtet, die besonders große Mengen an Wasch- und Desinfektionsmitteln verwendet.

1. Phase: Etablierung einer Beschluss für die gesamte Provinz
Der Beschluss der Landesregierung Nr. 1092 vom 10/10/2017 „Kriterien für den Ankauf von Papier, Putzmitteln, Büromaterialien, Büromöbel und Fahrzeugen“ enthält unter Punkt b) „Bereich Putzmittel“ eine Liste besonders umweltbelastender Chemikalien. Diese kritischen Chemikalien dürfen in keinem, der an öffentlichen Einrichtungen verwendeten Wasch- oder Desinfektionsmitteln an öffentlichen Einrichtungen enthalten sein. Der Beschluss fördert die Verwendung ökologischer Produkte wie beispielsweise jene der Marken: Ecolabel, Nordic Swan oder Blauer Engel.

2. Phase: Bewertung der Gültigkeit der Reinigungsmittel gemäß dem Beschluss der Landesregierung
Das Biologische Labor überprüft die Technischen- und Sicherheitsdatenblätter der in der öffentlichen Verwaltung verwendeten Reinigungs- und Desinfektionsmittel und erlaubt oder verweigert deren Verwendung. Kommt ein Produkt zum Einsatz, das den Vorgaben des Beschlusses nicht entspricht, so muss es ersetzt werden. Alle Informationen der Datenblätter werden zusammen mit der Bewertung und dem ökologischen Markennamen in einer Datenbank gesammelt.

 Für weitere Infos: NEWS der Umweltagentur

2016 wurden insgesamt 203 Reinigungsmittel bewertet, 61,6% davon waren gesetzeskonform. Jene Reinigungsmittel, die nicht den Vorgaben des Beschlusses entsprachen, mussten durch  alternative Produkte ersetzt werden. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Verwendung umweltfreundlicher Reinigungsmittel abgenommen, insgesamt 61 der 203 untersuchten Reinigungsmittel tragen die Marke Ecolabel.


Wahl und richtige Benutzung der Reinigungs- und Desinfektionsmittel

Wahl und richtige Benutzung der Reinigungs- und Desinfektionsmittel
Wahl und richtige Benutzung der Reinigungsmittel (Foto: Landesagentur für Umwelt)

Um die natürlichen Ressourcen, insbesondere die Wasserverfügbarkeit, zu erhalten, sollte jeder im Kleinen dazu beitragen, das Ausmaß der jährlich anfallenden Schadstoffe zu verringern. Dafür sind folgende Maßnahmen besonders wichtig:

  1. Möglichst Produkte mit Ecolabel, Nordic Swan oder Blauer Engel verwenden
  2. Etikett beachten. Das Etikett informiert über korrekte Dosierung, chemische Zusammensetzung, eventuelle Gefahrstoffkennzeichnung und Vorhandensein allergener Stoffe
  3. Sinnvolle Verwendung von Desinfektionsmitteln: Desinfektionsmittel sollen nur dort benutzt werden, wo gefährliche Keime auftreten können wie in Bädern, Küchen und Labors. In anderen Räumen sind Desinfektionsmittel für die tägliche Reinigung nicht notwendig und man kann weniger umweltbelastende und trotzdem wirksame Putzmittel einsetzen.
  4. Beachtung der richtigen Waschmittel-Dosierung: Der Spruch "je mehr Produkt, desto besser wird gereinigt" stimmt nicht!
  5. Möglichst spezifische Wasch- und Reinigungsmittel verwenden
  6. Vermeidung bestimmter Komponenten: Neben Salzen wie Phosphaten, Chloriden und Sulfaten sind vor allem schwermetallhaltige Substanzen zu vermeiden. Verbindungen mit Schwermetallen wie z.B. Kupfer, Chrom, Nickel, Blei, Zink, u.s.w. wirken im Abwasser als Giftstoffe, sind nicht biologisch abbaubar, reichern sich über die Nahrungskette an und werden somit auch vom Menschen aufgenommen
  7. Zu den absolut zu vermeidenden Substanzen zählen auch optische Aufheller, kationische Tenside, Moschusduftstoffe und die hormonaktiven Substanzen
  8. Duftstoffe und Farbstoffe sind für die Reinigung nicht notwendig und sollten deswegen nur in geringsten Mengen benützt werden
  9. Saure und basische Reinigungsmittel sollten nicht gemischt werden.

Das Etikett ist die wichtigste Informationsquelle für den Verbraucher. Es soll klar sein und folgende wichtige Angaben über die Produkteigenschaften enthalten:

Etikette mit und ohne Ecolabel (Foto: Landesagentur für Umwelt)

1) Bezeichnung und Warenzeichen des Produktes

2) Name, Handelsbezeichnung oder das eingetragene Warenzeichen und die vollständige Adresse mit Telefonnummer des für die Markteinsetzung Zuständigen

3) Adresse, eventuell vorhandene E-mail-Adresse und Telefonnummer für die Anfrage um die technischen Datenblätter

4) Waschanweisungen und die der jeweiligen Wasserhärte angepasste Dosierung

5) Chemische Zusammensetzung des Produktes mit Angabe des prozentuellen Anteils der einzelnen Komponenten

6) Abbaubarkeit

7) Angaben über die eventuelle Gefährlichkeit des Produktes oder einiger seiner Inhaltstoffe

8) Angaben über eventuelle potentiell Allergie auslösende Inhaltsstoffe


Umweltfreundliche Wasch- und Putzmittel

 

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Kontakt: Biologisches Labor